kürzere Schulferien / Schulstress / Vereinbarkeit Familie & Beruf

Laut einer Meldung der Rheinischen Post vom 1. Mai 2013 fordert die CDU-Bildungspolitikerin Monika Grütters kürzere Schulferien.
14 Wochen Schulferien pro Jahr seien von den immer zahlreicheren berufstätigen Müttern bei nicht ausreichender Betreuungssituation nicht überbrückbar.

Die NRW-Schulministerin Löhrmann kommentiert das knapp mit „Eine Verkürzung der Schulferien steht nicht an„.

Gegen eine Verkürzung der Schulferien spricht sich der stellvertretende SPD-Bundesfraktions-Vorsitzende Florian Pronold aus, denn „… die Schule bedeutet für Kinder sehr viel Stress.“ und fordert eine Verbesserung der Ferienbetreuung.

Während Frau Löhrmann augenscheinlich entweder nicht über die Situation nachdenken will oder die Allgemeinheit nicht an den Ergebnissen ihrer Überlegungen teilnhaben lassen will, bieten die beiden so genannten Volksparteien gegenläufige Lösungsansätze für ein Problem, dass sie doch selbst herbei geführt haben.

Seit Jahren schon propagieren diese Parteien die wirtschaftliche Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit aller erwerbsfähigen Bürger; hierbei wird als Ziel immer auch die Vollbeschäftigung angestrebt, die es nach Meinung anerkannter Volkswirtschaftler nie mehr geben wird.
Während die Parteien mit dem C im Namen gleichzeitig noch das überlieferte Familienbild mit „Vater arbeitet, Mutter erzieht die Kinder“ hoch halten, ist die Partei der Arbeiter, die SPD, auf dem besten Wege zu einer Partei der Arbeiterinnen und Arbeiter, die der Wirtschaft zu dienen haben.
Die Grünen halten sich in Person von Frau Löhrmann vorerst aus der Diskussion heraus.

Wozu an dieser Stelle mein unmaßgeblicher Text?
Nun, auch wenn die RP-Meldung die Meinungen der genannten Personen möglicherweise nur verkürzt darstellt, zeigt sich darin das inhaltsarme und wenig sachorientierte Denken der Bildungspolitiker, für die die zitierten Personen stehen.

Die bis zum heutigen Tage weitgehend fehlende Verzahnung von Bildungs-, Familien- und Wirtschaftspolitik sowie Entscheidungen, die maßgeblich auf isolierten Überlegungen der politischen Bereiche basieren, haben die Entwicklung zu diesem gesellschaftlichen Problem befördert.
Die Bürger werden und bleiben damit alleine gelassen.

Ich will gar nicht besonders eingehen auf die den Aussagen zugrunde liegenden Haltungen (und in meinen Augen deren Beschränktheit) wie den Bezug des Problems vorrangig auf Mütter.
Oder auf die lapidare Aussage „Schule bedeutet Stress„, die, wenn sie denn stimmt, einen breiten Proteststurm gegen Schule in der jetzigen Form auslösen müsste.

Gesellschaftliche Probleme dieser Art dürfen nicht weiter den von Parteipolitik geprägten Akteuren überlassen bleiben – sie müssen unter der Beteiligung der betroffenen Eltern und Kinder, aber auch Vertretern der Wirtschaft, ohne Scheuklappen und mit Mut zu neuen Ideen angegangen werden.

Die immer wieder bemühte Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht mehr länger nur den Familien aufgelastet werden und sie darf nicht mit dem Deckmantel der Betreuungsangebote als ‚gegeben‘ kommuniziert werden. Alle Beteiligten von der Gesetzgebung über die Verwaltung, die Familien, die Kindergärten und Schulen bis hin zu den Arbeitgebern und Gewerkschaften, sind gefordert, ihre nicht mehr zeitgerechten Denkschemata aufzubrechen und neue Lösungen zu finden wie alte Lösungen zu verbessern.

Die Interessen einzelner und die Interessen von Gruppen müssen überwunden werden.
Gemeinsame Lösungen mit dem Ausgleich aller gerechtfertigten Interessen sind anzustreben.

Ein solches – der Gesellschaft im Gesamten dienendes – Denken ohne Dogmen finde ich nur in den Positionen der Piratenpartei, für die Bildung, Freiheit, Selbstbestimmung und Gemeinsinn wichtige Ziele sind.

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